Bestände

Neben den Beständen der diözesanen Verwaltung verwahrt das Diözesanarchiv eine Vielzahl von Pfarrarchiven, Dekanatsarchiven, einige Klosterarchive und diverse Sondersammlungen.

Die historischen Bibliotheken der Diözese, ihrer Pfarren und Einrichtungen werden teils von uns verwahrt bzw. betreut.

Eine wissenschaftliche Handbibliothek mit den Themenschwerpunkten Heimat- und Regionalgeschichte sowie Kirchengeschichte steht für eine Recherche in unserem Lesesaal zur Verfügung.

 

Diözesanarchiv

Die Anfänge kirchlicher Verwaltung gehen in Niederösterreich mit der Gründung erster Klöster ins 9. Jahrhundert und mit der Einrichtung erster Pfarren ins beginnende 11. Jahrhundert zurück. Bis ins ausgehende 18. Jahrhundert gehörte ein Großteil des Landes zum Bistum Passau im heutigen Niederbayern, das sein niederösterreichisches Gebiet ab Mitte des 14. Jh. von Wien aus (Offizialat) verwalten ließ.

Erst mit der Neueinteilung der kirchlichen Verwaltungssprengel durch Kaiser Joseph II. in den 1780er Jahren wurde jene Ordnung geschaffen, die bis heute besteht: in den beiden östlichen Landesvierteln die Erzdiözese Wien, in den beiden westlichen die Diözese St. Pölten. 

Das neue Bistum in St. Pölten nahm im Jahr 1785 seine Tätigkeit auf und übernahm in der Folge auch die alten Akten des Passauer Offizialats in Wien zur Weiterführung der Geschäfte. Mit den knapp 400 Aktenfaszikeln und 1200 Pergamenturkunden war damit der Grundstock für ein eigenes Archiv gelegt.

Die Bistumsverwaltung entwickelte sich im Lauf der Zeit stets weiter, sodass vor allem im 20. Jahrhundert immer mehr neue Einrichtungen gegründet wurden, wie z. B. das Pastoralamt (heute: Pastorale Dienste) oder das Bauamt. Diese aufwändige Verwaltungstätigkeit erforderte ein gut funktionierendes Archiv, das 1960 eingerichtet wurde und seither versucht, sich den ständig wandelnden Anforderungen als Informationsdienstleister und wissenschaftliches Institut anzupassen.

Heute verwahrt das Diözesanarchiv ca. 6.000 Regallaufmeter Akten, 2.157 Pergamenturkunden, 332 Handschriften, 537 Inkunabeln, ca. 60.000 Photos und 80.000 gedruckte Bände (16.-19. Jahrhundert). 

Der Leseraum des Archivs ist öffentlich zugänglich und eine Einsicht in die Archivalien ist kostenlos.

Die Bestände des Archivs sind im Archivinformationssystem verzeichnet und zum Teil digital abrufbar:

Kontakt:

Mag. Karl Kollermann
Tel.: +43 2742 324 329
Email:

Bestandsübersicht

Diözesanarchiv

Bistum Passau

Das Gebiet der Diözese St. Pölten, die beiden niederösterreichischen Landesviertel oberhalb von Wienerwald und Manhartsberg umfassend, gehörte bis 1785 zum Bistum Passau. Am 13. März 1783 erließ Kaiser Joseph II ein Hofdekret, das  die Neuregelung der Diözesen in Österreich befahl. Mit 1. Mai 1785 schloss das Passauer Offizialat seine Pforten, die Administration ging an die neuen Diözesen über.

Da die Hauptmasse der Offizialatsakten schon immer in alphabetisch gereihten Pfarrfaszikeln geordnet war, konnte die Auslieferung der entsprechenden Bestände an die nunmehr zuständigen Bistümer relativ leicht bewerkstelligt werden. In zwei Transporten – Juni 1785 und April 1786 – gelangten die auf St. Pöltner Gebiet bezüglichen Akten von Wien in die neue Bischofsstadt, wo im Juli auch die Unterlagen für das Dekanat Enns aus Passau eintrafen. Dieses Archivmaterial wurde nun in St. Pölten freilich nicht als geschlossener Bestand erhalten, sondern – was den verwaltungstechnischen Bedürfnissen besser entsprach – als Grundstock für die neuen Archivkörper des Konsistoriums St. Pölten betrachtet und dementsprechend ausgebaut.

Bestände: 10 Bücher 1694-1896, v.a. Visitationsprotokolle / Akten 1524-1783

Bistum Wiener Neustadt

Das Bistum Wiener Neustadt wurde 1469 von Friedrich III. gegründet. Infolge der bescheidenen Ausdehnung, es umfasste nur die Stadt selbst, und der geringen Dotation konnte es nie größere Bedeutung erlangen. Im Rahmen der josephinischen Diözesanregulierung wurde es 1784 aufgehoben und sein Gebiet der Erzdiözese Wien einverleibt.

Bischof, Domkapitel und Konsistorium aber wurden nach St. Pölten transferiert, das so – wenn auch territorial ohne jeden Zusammenhang – zum Nachfolger des Neustädter Bistums wurde. Während die Akten zur Verwaltung der Pfarren dem Erzbistum Wien überstellt wurden und Bischof und Domkapitel die wichtigeren allgemeinen Unterlagen nach St. Pölten mitnahmen, blieb der Hauptteil des Wirtschaftsarchivs in Wiener Neustadt, wo er im Laufe des vorigen Jahrhunderts zugrunde ging; nur mehr geringe Reste konnten gerettet werden.

Bestände: 67 Urkunden 1469-1782 / 26 Bücher 1483-1764: Kurialprotokolle 1741-1785, Weiheprotokolle 1738-1785, Hofmeisteramtsrechnungen etc. / 15 Kartons Akten 1606-1785

Bistum St. Pölten

Bei Gründung der Diözese St. Pölten im Jahr 1785 wurden auch die Vorakten der Passauer Verwaltung übernommen, wodurch der Grundstock des neuen Bistumsarchivs gebildet wurde. Dieser wuchs über die Jahrhunderte immer mehr an und enthält als zweite große Bestandsgruppe die Akten sämtlicher diözesaner Zentralstellen wie Ordinariat, Bauamt oder Finanzkammer. Dieser Bestand ist neben den Pfarrarchiven der größte im Diözesanarchiv St. Pölten.

Bestände:

  • Bistum (Bischöfe, Präsidialakten, Konsistorial- bzw. Ordinariatsakten, Visitationen 18. Jh. ff.; Pfarr- und Klosterakten; Ehedispensen, Schulakten, Alumnat St. Pölten, Vereine, u.v.m.)
  • Domkapitel
  • Nachlässe
  • Manuskripte
  • Varia
  • Urkunden (2.157 Urkunden ab dem 13. Jh.)
  • Pläne (ca. 9.800)
  • Fotos

Dekanatsarchive

Im Laufe der zeit wurden zahlreiche Dekanatsarchive als Depositum übernommen. Diese beinhalten oft Akten aus der Zeit vor 1785. So reicht z.B. das Dekanatsarchiv Krems bis ins 16. Jahrhundert zurück. Inhaltlich sind es vor allem Schulakten aus dem 19. Jhdt., welche im Zuge der Schuldistriktsaufsicht entstanden sind.

Pfarrarchive

Bereits in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde mit der systematischen Ordnung, Verzeichnung und Zentralisierung der Pfarrarchive begonnen.

Seither konnten mehr als 390 Archive verzeichnet und ca. 350 im Diözesanarchiv zentral verwahrt werden. Die Pfarrarchive gehören zu den wichtigsten Quellen zu Alltag und Religiosität der ländlichen Bevölkerung in der Neuzeit. Zu den am häufigsten benützten Quellen gehören zweifellos die Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher, die in manchen Fällen bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen.

Den aktuellen Stand, welche Pfarrarchive verzeichnet und im Diözesanarchiv bzw. in der Pfarre verwahrt sind, finden Sie in der Archivdatenbank. Es ist jedoch zu beachten, dass auch jene Pfarrarchive vermerkt sind, die zur Gänze oder zum Teil noch in der jeweiligen Pfarre aufbewahrt werden.

Benefiziatsarchive

Derzeit befindet sich das Benefiziatsarchiv von St. Nikolaus (Langenlois) im Diözesanarchiv St. Pölten.

Klosterarchive

Das Klosterarchiv Maria Langegg und auch jene der Congregatio Jesu (Englische Fräulein) in St. Pölten und Krems werden u.a.  im Diözesanarchiv verwahrt.

Diözesanbibliothek

Neben einer Handschriften- und Inkunabelreihe verfügt die Diözesanbibliothek auch über zwei historische Bibliotheken – die Stiftsbibliothek und die Kerensbibliothek. Diese Bibliotheken umfassen ca. 23.000 Bücher, die von 1500 bis in die Gegenwart reichen. Weiters gibt es eine aktuelle wissenschaftliche Handbibliothek, die Bibliothek des Konservatoriums für Kirchenmusik und zahlreiche historische Pfarrbibliotheken, welche alle ihren Standort im Diözesanarchiv St. Pölten haben.

In den letzten Jahren wurden auch Bibliotheken verzeichnet, die sich nicht im Bistumsgebäude befinden. Hier sind vor allem Maria Langegg, Maria Taferl und die Archivbibliothek von Stift Altenburg zu nennen. Auch diese Bestände können über den Bibliothekskatalog recherchiert werden.

Die Diözesanbibliothek St. Pölten ist ein Teil des Diözesanarchivs und dient der Unterstützung des wissenschaftlichen Auftrags des Archivs. Sammlungsschwerpunkte sind heimatkundliche Druckwerke aus dem Diözesangebiet, Geschichtswissenschaft und  Veröffentlichungen der verschiedenen kirchlichen Einrichtungen der Diözese St. Pölten. 

Die Bibliothek kann  zu den Öffnungszeiten des Diözesanarchivs (Montag bis Donnerstag, 8.30 bis 12.00 Uhr und 13.00 bis 16.00 Uhr) benützt werden. Eine Entlehnung ist nicht möglich.

Die Bücherbestände sind mittels Bibliotheksprogramm erfasst und über Internet abrufbar.

Kontakt:

Sandra Stummer
Tel.: +43 2742 324 324
Email:

Bestandsübersicht

Handschriften und Inkunabeln 

Der Großteil der mittelalterlichen Handschriften und Inkunabeln stammt aus der Bibliothek des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts St. Pölten, ein kleinerer Teil aus aufgehobenen Klöstern im Diözesangebiet (z. B. Kartause Aggsbach, Kollegiatstift Kirnberg an der Mank, Säusenstein).

Die Mehrzahl der neuzeitlichen Handschriften stammt aus einzelnen Pfarren der Diözese.

Der Bestand umfasst insgesamt 332 Handschriften – davon etwa 120 aus dem Mittelalter – und 537 Inkunabeln. 

Alle Handschriften und einzelne Inkunabeln sind online abrufbar: Manuscriptorium

Weitere Online-Ressourcen:

 

Stifts- und Kerensbibliothek

Den Grundstock bilden die Buchbestände der Bibliothek des ehem. Augustiner-Chorherrenstifts und des ersten Bischofs von St. Pölten, Heinrich Johann von Kerens (1785-1792).

Erweitert wurden diese immer wieder durch Erwerb von Nachlässen verschiedener Bischöfe und anderer Geistlicher. Diese Bestände umfassen ca. 23.000 gedruckte Werke vom 16.-20. Jahrhundert mit Schwerpunkt auf Theologie, Geschichte, Topographie, Medizin, Jurisprudenz etc. 

Alle Bände sind in unserem Bibliothekskatalog recherchierbar.

Spezialkataloge:

 

Wissenschaftliche Archivbibliothek

Mit der Neuorganisation des Diözesanarchivs Anfang der 1960er Jahre wurde mit dem Aufbau einer modernen wissenschaftlichen Bibliothek mit den Schwerpunkten zur Diözesangeschichte und allgemeinen Kirchengeschichte Österreichs begonnen; ein besonderes Augenmerk wird auch auf die Sammlung von Ortsgeschichten, archivwissenschaftlicher Literatur sowie Veröffentlichungen der verschiedenen kirchlichen Einrichtungen der Diözese St. Pölten gelegt.

Zurzeit zählt dieser Bestand ca. 12.000 Werke. 

Alle Bände sind in unserem Bibliothekskatalog recherchierbar.

 

Pfarrbibliotheken

Gefährdete historische Buchbestände der Pfarren werden durch Deponierung in der Diözesanbibliothek gesichert.

Geistesgeschichtlich bedeutende Bibliotheksbestände wie etwa aus Scheibbs, Kirnberg (Kollegiatstift und Hieronymitanerkloster), Schönbach (Hieronymitanerkloster), Michelhausen u. a. werden bei uns aufbewahrt.

Bereits katalogisiert und über Bibliothekskatalog zugänglich sind die Bestände der Pfarren Ernsthofen, Frankenfels, Michelhausen und Randegg

Für alle anderen Bestände sind handschriftliche Kataloge heranzuziehen.

 

Externe Bibliotheken

 
Klosterbibliothek Maria Langegg

Das ehemalige Servitenkloster Maria Langegg wurde 1974 aufgelassen, große Teile der Bibliothek blieben allerdings vor Ort erhalten.

Diese umfasst 4.582 Titel (6.658 Bücher), wobei die Bücher aus dem Zeitraum zwischen 1566 und 1972 stammen. Knapp die Hälfte des Bestandes ist aus dem 18. Jahrhundert. Neben religiösen und liturgischen Büchern (ca. 70 %) findet man hier auch die Themen Geschichte, Recht, Sprachen, Mathematik, Physik und vieles mehr. 

Alle Bände sind in unserem Bibliothekskatalog recherchierbar, Gesamtliste zum Download.

 

Stift Altenburg, Archivbibliothek 

Im Zuge der Inventarisierung und Neuordnung des Stiftsarchivs Altenburg im Jahre 2006 wurden auch die Bücherbestände des Archivs aufgenommen.

Es handelt sich hierbei einerseits um 720 Bücher aus dem 16.-18. Jahrhundert inklusive 148 Inkunabeln. Die Themenbereiche Grammatik, Rhetorik, Geschichte und Predigtbücher herrschen hier vor.

Andererseits beherbergt diese Bibliothek auch 1.180 Bücher, die zur Handbibliothek des Archivs zu zählen sind. Hier findet man Schriften zur Heimatkunde, Altenburg und zur allgemeinen Geschichte. 

Alle Bände sind in unserem Bibliothekskatalog recherchierbar, Autorenkatalog Archivkanzlei, Geraser Zimmer zum Download.

 
Pfarrbibliothek Maria Taferl

Die Katalogisierung der Bibliothek Maria Taferl wurde im September 2009 abgeschlossen. 

Die 11.902 Bücher sind in der Bibliothek im Kirchturm auf drei Ebenen untergebracht.

Alle Bände sind in unserem Bibliothekskatalog recherchierbar, Gesamtliste zum Download.